Donnerstag, August 22, 2019
Hochsensibilität Selbstliebe

Balance bewahren – Hochsensibilität im Alltag

Gestern Abend konnte ich mal wieder nicht einschlafen.

Ihr kennt das sicher. Die Gedanken rasten in meinem Kopf hin und her. Gute Ideen, völlig bekloppte Gedankenschnipsel, Ängste, Erinnerungsfetzen und vieles anders summte vor sich hin. Nach einer Stunde hin und her wälzen hatte ich genug und bin wieder aufgestanden. Schweren Herzens, weil ich eigentlich wirklich richtig müde war. Und mich so auf den Montag Morgen gefreut hatte. Aber ich weiß ganz genau, wenn ich bis nachts spät aufbleibe, ist der Montag Morgen komplett gelaufen.

Ich habe aber auch gelernt, dass es einfach gar nichts bringt dagegen anzukämpfen. Sobald ich einen gewissen Punkt überschritten habe hilft nur noch aufstehen und etwas tun.

Also hab ich mir einen Tee gemacht und mich zuerst an mein Gedankenbuch gesetzt. Ich habe alles aufgeschrieben was da herum sirrte in meinem Kopf.

Heraus gekommen ist unter anderem (es ging bis heute nacht um vier Uhr) eine Liste mit Dingen, die ich tue um mein Energielevel im Alltag einigermaßen konstant zu halten. Diese Punkte sind sicher nicht für jeden so umsetzbar (ich habe wirklich viel Glück), aber mir helfen sie meine Hochsensibilität im Alltag & in einer Großstadt recht gut ohne großen Energieverlust zu leben.

Balance bewahren
Balance bewahren – gar nicht immer so leicht

Ich schotte mich in der Woche tagsüber so gut es geht von der lauten Welt draußen ab

Ich habe das Privileg im Homeoffice arbeiten zu dürfen. Ich habe mich jahrelang dagegen gewehrt. Aber seit ungefähr drei Monaten arbeite ich jetzt von zu Hause und es ist wunderbar. Alleine der Weg zum Büro war schon Stress. So viele Menschen, Straßenverkehr und Lärm. Ich geniesse die Ruhe zu Hause. Meinen eigenen Rhythmus zu kreieren. Ja ich hatte am Anfang Angst ohne Input von Aussen unglücklich zu sein. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich bin kreativer und ausgeglichener den je. Natürlich hole ich mir auch Abwechslung durch Lunch mit meinem Liebsten oder Freunden. Oder auch einem Spaziergang zur Hundewiese. Aber wenn ich merke es wird mir zu viel kann ich mich problemlos in meinen geschützten Bereich zurück ziehen. Zusätzlich beschränke ich meine Kommunikation auf E-mails und Whatsapps in meiner selbst fest gelegten Arbeitszeit und vermeide Telefonate.

Ich schaffe mir für jede Arbeit, schon bevor ich sie beginne, eine klare Grenze

Soll heißen, dass ich mich bei jeder Arbeit schon direkt auf meinen Perfektionismus einstelle und diesem Grenzen setze. Ich setzte mir beispielsweise einen zeitlichen Rahmen oder eine maximale Anzahl von Revisionen für einen Text. Ich kennen mich ja schon eine Weile und weiß daher wie oft ich etwas korrigieren muss damit es gut ist. Alles darüber ist dann nur noch selber wahnsinnig machen.

Ich mache mir selbst keine Vorwürfe

Ich versuche es auf jeden Fall. Meine innere Stimme ist in der Vergangenheit nicht allzu freundlich zu mir gewesen. Ich bin mein größter Kritiker und zerfleischte mich gerne immer wieder selbst, um mich dann im Selbstmitleid zu suhlen. Heute versuche ich mich freundlich daran zu erinnern, dass auch im Zwiegespräch mit mir selbst Freundlichkeit einfach die beste Option ist. Dafür ist es wichtig immer wieder achtsam mit sich selbst umzugehen. Schaff ich auch nicht immer. Aber Einsicht ist ja bekanntlich der erste Schritt zur Besserung.

Ich esse regelmäßig

Ich versuche zwei Mahlzeiten am Tag zu mir zu nehmen und auch zu trinken. Und zwar nicht nur Kaffee. Unterzuckerung ist mein absoluter Todfeind. Da fall ich schnell in ein sehr, sehr, sehr tiefes Loch und brauche ewig um wieder raus zu kommen.  Deshalb esse ich auch täglich Zuckerhaltiges. Ja das ist sicher nicht förderlich für meine Figur oder meine Zähne, aber für meinen Kopf. Ich habe es auch schon mit einem Zuckerentzug versucht, weil ich dachte das würde helfen. Aber Pustekuchen. Eine kleine tägliche Dosis ist das was mir hilft meine Energie recht konstant zu halten.

Ich mache viele kleine Pausen

Die sind wirklich mini. Manchmal ein paar Sekunden. Mal fünf Minuten. Ich zähle sie nicht. Ich mache sie dann, wenn ich merke ich brauche sie (das zum Punkt Achtsamkeit). Das kann ein kurzes Aufstehen und auf den Balkon gehen sein. Oder der kurze Augenkontakt mit Paulchen, bevor er wieder weiter schläft. Oder Lilly kurz den Kopf streicheln. Sie merkt scheinbar immer, wenn ich eine Pause benötige, obwohl ich es noch gar nicht wusste. Und steht parat neben meinem Stuhl, damit ich über den Kopf streicheln kann und ihr ein paar nette Worte sage. Dann zieht sie wieder ab und beschäftigt sich mit etwas anderem.

Nimm dich selber nicht so furchtbar ernst
Nimm dich selber nicht so furchtbar ernst- selbst beim meditieren

Ich tue mir täglich selbst etwas Gutes

Das muss gar nichts Großes sein. Ein gut gemacht zu mir selbst. Oder ein leckerer Muffin von gegenüber. Oder mittags eine halbe Stunde hinlegen. Oder  den ganzen Abend frei nehmen und zu den Pferden fahren.

Ich trainiere meine Achtsamkeit

Ich versuche mehrfach täglich in mich herein zu spüren. Ruhig, ganz still zu werden und zu schauen was ist da los in mir? Tut was weh? Herein zu spüren. Seelisch? Ist da irgendwo Wut? Angst? Brauche ich Ruhe? Tut mir das jetzt grad gut? Hey und natürlich versuch ich das dann auch umzusetzen. Fällt nicht immer leicht und ich meine auch nicht, dass man bei jedem kleinen Pups aufhören soll zu arbeiten und sich hinlegen. Aber wenn ich auf meinen Körper höre und achtsam & liebevoll mit ihm umgehe schaff ich es im Alltag eigentlich immer recht gut meine Energie hoch zu halten. Auch wenn dann von außen Bullshit auf mich einprasselt.

Balance bewahren
Balance bewahren
Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich mein Leben leben darf wie ich es tue.
    Es ist ganz sicher nicht alles eitel Sonnenschein, aber ich habe das Gefühl ich bin auf dem, für mich, richtigen Weg. Ich liebe meine Hochsensibilität. Meistens. Sie lässt mich mehr spüren, mehr fühlen, mehr erleben.
    Aber um das ganze MEHR zu verarbeiten, brauche ich halt auch mehr Zeit für mich, mehr Ruhe, mehr bei mir sein. Aber tauschen möchte ich trotzdem mit Keinem. Und anders sein auch nicht. Meistens.
    In diesem Sinne habt einen tollen Montag und einen schönen Start in die Woche.

7 thoughts on “Balance bewahren – Hochsensibilität im Alltag

  1. Ein wirklich sehr interessanter Beitrag. Ich würde nicht so weit gehen, mich selbst als hochsensible zu bezeichnen, aber ich verstehe trotzdem gut, wenn einem die Menschen “da draußen” einfach zu viel Stress sind und man sich zu Hause verkriechen will .
    Freut mich, dass du einen guten Weg für dich selbst gefunden hast, damit umzugehen und deine Arbeit auszufüllen.

  2. Ein sehr schöner Beitrag! Meine innere Stimme war früher auch nicht gerade freundlich zu mir. Zum Glück konnte ich daran arbeiten und habe das mit einem langen Lernprozess ändern können 🙂 Achtsamer bzw. Aufmerksamer zu sein ist immer gut 😉

  3. Ich kann dich gut verstehen. Mir geht es ganz genauso … deshalb ziehe ich mich auch gerne mal zurück. Ich brauche das einfach um wieder bei mir zu sein … schöner Beitrag!

    Liebe Grüße
    Verena

  4. Hallo du Liebe!
    Ein sehr, sehr guter Text.
    Vor einigen Monaten hab ich auch einmal einen Test bezüglich Hochsensibilität gemacht. Laut diesem bin ich zwar nicht eindeutig hochsensibel aber doch schon sehr in die Richtung.
    Ich verstehe dich in einigen Punkten sehr gut.
    Dein Gedankenbuch finde ich topp.
    Du bist auf einem tollen Weg. Wünsche dir alles gute.
    Lieben Gruß, Martina von http://www.stielreich.at & http://www.stielreich.at/blog

  5. Ich mache es zum Einschlafen am Abend immer so, dass ich mindestens 30 Minuten vor dem Schlafen gehen den TV ausschalte und das Mobiltelefon weglege. Da Mobiltelefon liegt auch nicht an meinem Schlafplatz – den Wecker höre ich auch im Nachzimmer. Hilft sehr zum Einschlafen und abschalten.

    Besten Gruß
    Kathy von Ahoi und Moin Moin

  6. Hallöchen! Wirklich ein schöner Beitrag! Recht hast du, Balance, egal in welchen angelegenheiten ist wirklich sehr wichtig! Gut auf den Punkt gebarcht ! :))) Danke ! Und die fotos dazu sind auch wirklich niedlich! :)))) Ich wünsche dir jetzt noch einen tollen Sonntagnachmittag mit deinen Lieben und sende dir ganz herzliche grüße von meinem Yoga Wochenende :)) Ja, ich tue auch etwas für meine Balance…allerdings noch etwas angestrengt 😀 😀 :D….bis bald, Nora

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