Heute nicht kleine Goldenemarie!

Heute mittag haben wir gestritten. Naja eigentlich hat ER gestritten und ich habe mich zurückgelehnt und ihn machen lassen. Ich habe versucht die Worte anzuhören und zu spüren ohne mich direkt persönlich von ihnen angegriffen zu fühlen. Unterstützt vom Sonnenschein konnte ich meinen Vorsatz endlich das erste Mal umsetzten.

Seine Worte nicht einfach auf mich zu beziehen und auf Gegenangriff zu gehen, sondern sie als das anzusehen was sie ja in Wahrheit sind: Seine Gefühle, sein Denken & seine Probleme, war eine echte Herausforderung. Erst einmal neutral zuzuhören und dabei einfach zu fühlen was seine Worte mit mir machen war aber auch extrem spannend.

Natürlich kamen da Wut, Zorn, Ärger und vor allem Trotz in mir hoch. Wie kann er so was sagen?! Was fällt ihm ein so respektlos mit mir umzugehen?! Wenn er mich jetzt so unter Druck setzt mache ich das erst recht nicht! Meine kleine innere Goldmarie stand da in ihrem bunten Kleidchen mit ihren süßen Zöpfen und streckte wutentbrannt die Hände zu Fäusten geballt in die Luft. Sie fühlte sich bevormundet und vor allem auch unfair behandelt.

Diesmal durfte sie das Sprechen aber nicht übernehmen. Genau so wenig wie das Handeln. Sie durfte sich in mir austoben und ausbocken. Und dann habe ich sie in den Arm genommen und getröstet. Ihr gesagt, dass es ok ist sich zu ärgern, wenn man denkt nicht gerecht behandelt zu werden. Das es ok ist zu weinen, wenn man das Gefühl hat nicht gesehen, nicht gehört zu werden. Das sie immer noch liebenswert ist, auch wenn sie bockt, schreit, weint. Und ganz am Ende dieses inneren Dialogs habe ich ihr gesagt, dass wir ja jetzt schon groß sind. Das wir uns unsere Schokolade und sogar Wein selber kaufen können. Das wir nicht mehr vom Goodwill der “Großen” abhängig sind.

Und was tat ER? Ich würde es als Verwirrung beschreiben. Meine Reaktion auf sein Sticheln, sein Stechen blieb aus. Ich antwortete ihm lediglich freundlich aber bestimmt, dass ich seinen respektlosen Umgang mit mir auf Grund seiner eigenen Anspannung nicht tolerieren könne und dieses Gespräch erst mit ihm weiter führe, wenn er wieder konstruktiv und auf Augenhöhe mit mir spricht. Dann lehnte ich mich wieder zurück, schaute auf den Hafen und ließ ihn weiter motzen. Lange hielt es allerdings nicht an. So ganz ohne Reaktion von mir. Weder verbal noch nonverbal. Dann wurde er schließlich still.

Nach wenigen Minuten  lenkte er ab. Sprach er über meine neue Frisur. Das er sich  bildlich vorstellen könne wie ich beim Friseur gesessen hätte und in mich hinein gelacht hätte. Weil ich mich endlich getraut hätte etwas zu tun was ich schon immer mal tun wollte. Weil ich mit fast 33 endlich aus dem ausgebrochen bin was sich gehört und wie man zu sein hat als kleine süße Prinzessin. Damit man geliebt wird. Er kennt mich einfach zu gut.

Jetzt war er wieder da. Nicht sein kleiner bockiger innerer Junge mit kurzen Hosen und schmutzigen Knien, der nicht bekommen hatte was er wollte. Sondern wieder ER. Mein liebender, großherziger Mann. Jetzt musste es doch nicht mehr anders werden, damit es gut ist. Denn es war ja bereits so genau richtig wie es war.

 

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