Fütterst du noch oder barfst du schon?

Hättet ihr mich vor ein paar Jahren gefragt was ich vom BARFEN halte, hätte ich euch sicher mit hochgezogener Augenbraue und leicht kopfschüttelnd gesagt, dass das nur etwas für die Übermütter der Hundehalter ist. Quasi die Helikoptermütter der Hundewelt.

Alle Hunde meiner Familie wurden konventionell mit Trockenfutter gefüttert. So wie sich das halt gehört.

Ich bekam meinen ersten Hund mit sechs Monaten und verbrachte einen Großteil meiner Kindheit in ihrem, Momo´s, Hundekorb. Außer es gewitterte dann schlugen wir unser Lager in meinem Bett auf.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es jemals eine Diskussion bei Momo oder bei einem der nachfolgenden Hunde über die Art ihres Futters gab. Und nein unsere Hunde wohnten nicht im Zwinger oder an der Kette und meine Eltern sind auch keine Bauern. Sie waren damals vor über 30 Jahren die Städter aus Hamburg-Eppendorf, die des Kindes wegen aufs Land gezogen waren.

Keiner hat damals auf die Zusatzstoffe ihres Futters geachtet. Oder ob es Getreidefrei war und wie viel Fleischanteil es beinhaltete. Trotzdem ist Momo 14 Jahre alt geworden. Für einen mittelgroßen Mischling ist das ein solides Alter. Für ein 14-jähriges Mädchen kam ihr Tod allerdings es mindestens 25 Jahre zu früh. Aber ich schweife ab.

Ehrlich gesagt bis vor vier Jahren wusste ich nicht einmal was BARF denn überhaupt heißt.

Aber als vor sieben Jahren Paul in mein Leben trat und sich als größter Kostverächter jenseits von Gut und Böse herausstellte, musste ich mich ob ich wollte oder nicht mit dem Thema Hundefütterung auseinandersetzen.

Für die ersten Tage bekam ich von seinem Züchter Welpenfutter mit. Dieses Futter aß er mit großer Freude wurde mir gesagt. Pustekuchen, der kleine Strolch verweigerte erfolgreich jegliche Nahrungsaufnahme.

Jedes Gramm Zunahme musste ich mir hart erkämpfen und ihn fast täglich aus der Hand füttern, damit er überhaupt etwas fraß.

Ich fing also an mich durch die Futterregale aller bekannten Tierhandlungen zu probieren. Jedes Premiumfutter mit Getreide, ohne Getreide, mit Wildkräutern, mit Quinoa und was noch alles für ein Gedöns wurde gekauft und von Paulchen für nicht ausreichend befunden.

Irgendwann wechselte ich zu Nassfutter. Das fraß der kleine Terrier dann zwar endlich mit ein wenig mehr Enthusiasmus, aber seine Blähungen waren nicht nur für ihn ein Alptraum.

Eine freundliche Zoofachhandlungsmitarbeiterin kam, irgendwann nach meinem gefühlt 79 Besuch bei ihr innerhalb von vier Wochen, auf die Idee mit dem Frischfleisch.

Dazu muss man sagen, dass vor vier Jahren BARF noch lange nicht so populär war wie heute. Es gab nicht annähernd das Spektrum an Anbietern aus denen man sich heutzutage den Passenden aussuchen kann. Und zu allem Überfluss hatte ich zu dieser Zeit auch gar keinen Tiefkühlschrank.

Ich ging also, und das mache ich auch heute noch, in den Supermarkt und kaufte dort frisches Fleisch. Und Futterzusätze bei der freundlichen Zoofachmarktangestellten. Die alte Küchenwage und mein Standmixer bildetet den Rest der Einheit für die Mission Speck auf Paulchens Rippen bekommen.

Und siehe da. Endlich frisst Paul wie ein Hund fressen sollte. Er kaut nicht mehr auf dem Trockenfutter herum, sondern er schlingt. Aber woher soll man das bitte auch wissen, dass Hund eigentlich gar nicht kauen?

Paul hat heute eine Top Figur. Besonders für einen Jack Russel Terrier. Sportlich, aber nicht mehr zu dünn.

Beim Tierarzt beneiden sie mich immer und fragen wie wir es schaffen, dass er nicht zur laufenden Leberwurst im Alter wird. Eine sehr schlechte Angewohnheit seiner Rasse.

Seine Blutwerte sind immer absolut top und auch die Kotprobe ergibt maximal einmal im Jahr Wurmbefall. Und auch um eine Zahnsteinbehandlung ist er bisher trotz seiner sieben Jahre dank der Frischfleischfütterung rum gekommen.

Und es ist so einfach. Ernähre deinen Hund einfach gesund und artgerecht. Das heißt wenig oder gar kein Getreide. Und wenn dann bitte nur selbsthergestellt. Frisches Fleisch (oder natürlich TK Fleisch), ein ausgewogener Mix aus Gemüse und Obst und vor allem hochwertige Öle. Wenn dann noch ein Mineral- und Vitaminzusatz in regelmäßigen Abständen ins Futter dazu kommt, steht der Jack Russel Model Figur nichts mehr im Weg.

Naja und ein bisschen Bewegung sollte wohl auch sein.

Ich würde mich immer noch nicht als Helikopterhundemutter bezeichnen. Ich führe kein Buch über Pauls Futterrationen und ich wiege nicht alles auf den Gramm genau ab.

Ich barfe nach Gefühl und versuche innerhalb einer Woche alle Bestandteile, wie z.B. jeweils 15 % Knochen und 15 % Innereien, im Futter unterzubringen. Wenn er mehr gespielt hat als sonst bekommt er auch mal etwas mehr in den Futternapf und wenn er im Winter eher eine Couchpotato ist auch mal weniger. Ich stresse mich nicht mit Vorgaben, Richtlinien, „müssen“ und „sollen“. Schaut euch euren Hund einfach mal richtig an und ihr wisst ganz genau, ob eurer Futtermanagment so richtig ist.

Barfen ist keine Wissenschaft, sondern eher ein ganz einfaches Prinzip. Und wer einen ausreichend großen Tiefkühlschrank hat kann es sich noch leichter machen. Es gibt viele tolle Anbieter, die Frostfleisch oder sogar komplette Menüs mit Gemüse und Obst anbieten. Auftauen, in den Napf, etwas Öl und Vitamin- und Mineralpulver drauf und fertig ist das Hundefutter. Also probiert es doch einfach mal aus und tut eurem Hund etwas wirklich Gutes damit.

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