Absolut still werden…

…wenn Vorwürfe machen, schreien und sich streiten dich erschöpft haben.
Du merkst du drehst dich nur noch stumpf im Kreis und rein gar nichts ändert sich. Wenn nichts mehr zu helfen scheint. Dann werde still.

Aufhören zu schreien, aufhören zu zetern, aufhören zu meckern, aufhören zu wollen, aufhören mit allen Vorwürfen. Auch denen die gegen dich gerichtet sind. In deinem eigenen Kopf.

Immer und immer und immer wieder dieselbe Diskussion, immer und immer wieder dieselbe Streitfrage, immer und immer wieder dieselbe Situation, immer und immer wieder dieser Schmerz.
In dir. Hervorgerufen durch dein Gegenüber?
Wie in einem Hamsterrad. Wir drehen und drehen und drehen uns, aber kommen nie irgendwo an. Landen immer wieder an derselben Stelle.

Umso lauter ich werde.

Laut im Außen.
Schreien im Streit, schnell aus der Haut fahren, mich viel & oft über Dinge auslassen, die mir nicht gefallen, mich über Menschen und Dinge aufrege.

Laut in meinem Inneren.
Mich selber beschimpfen, dass ich Dinge falsch mache, dass ich zu ängstlich,
zu dick bin, eine hässliche Nase und zu dünne Haare habe, diese Speckfalte am Bauch zeigt wie inkonsequent ich bin. An keinem Spiegel mehr vorbei laufen kann ohne direkt etwas an mir zu kritisieren.

Umso mehr versuche ich von etwas abzulenken. Etwas in mir. Etwas das ich nicht ansehen will. Etwas vor dem ich Angst habe, denn es könnte weh tun. Etwas an dem ich fest halte. Etwas das mich davon abhält zu wachsen.

Was soll denn dieser Humbug nun bedeuten?

Spirituell und so ein Schnickschnack. Ja schon ein bisschen.
Aber persönlicher Wachstum geht ja eigentlich jeden was an. Denn wer will schon immer bleiben wie er ist.
Außer natürlich ihr seid in einer perfekten, glücklichen Familie aufgewachsen. Hattet niemals einen Schicksalsschlag und seid schon rundum glücklich und zufrieden. Dann braucht ihr nicht mehr zu wachsen. Euch nicht mehr zu entwickeln.
Aber ich kenne fast niemanden, der sich keine alten (oder auch gar nicht so alten) Wunden leckt.

Innerer Wachstum heißt für mich, dass ich mich emotional & spirituell weiterentwickle. Von der Person, die in ihrem Inneren immer noch ein kleines, verletztes Mädchen war und immer brav in ihrem abgesteckten, sicheren Rahmen blieb, zu einer Frau, die weiß das sie ein Unikat ist. Die weiß, dass sie einen Wert hat, die weiß das sie sich ihre Schokolade selber kaufen kann, dass sie unglaublich schön ist, dass sie mehr ist als nur ein Körper, der in irgendeinen dieser ganzen Trends passen muss (mega trainierter Po, dürr runtergehungert, bodyposivity mit Speckfalten, die dich glücklich strahlen lassen oder whatever).

Wo ich auf diesem Weg aktuell bin? Naja sagen wir es so… ich lecke meine Wunden und weiß was möglich sein könnte. Ab und an bin ich auch schon mal sehr erwachsen und liebe, aber meistens stecke ich irgendwo dazwischen fest und bin eher die kleine Blockflöte spielende Goldmarie mit dem traurigen Lächeln, die einfach in den Arm genommen werden will.

Und warum bin ich noch nicht weiter?

Wenn ich doch weiß was möglich wäre? Naja wisst ihr Wachstum tut weh. Man kann nicht einfach seine Wunden mit einem bunten Pflaster abdecken und das war es dann auch schon. Nein man muss die alten Narben zuerst einmal finden. Dann muss man sich trauen sie aufreißen. Tief hineingehen. Bis zur Wurzel des Übels. Und sich diese anschauen. Ganz genau von allen Seiten. Es brennen lassen. Und brennen lassen. Und brennen lassen. Den Schmerz aushalten.

Man darf weinen, man darf schreien, aber man darf nicht aufhören hinzuschauen bis man irgendwann akzeptiert. Frieden schließt mit dem was geschehen ist. Vergibt was geschehen ist. Dem der einen die Wunde zugefügt hat und vor allem auch sich selbst.
Dann kann die Wunde langsam verheilen. Wenn jemand dran kommt ziept sie dann und wann noch einmal ein wenig. Aber auch das wird sich mit der Zeit geben. Und irgendwann ist sie ein Teil von dir. Du kannst sie anschauen, mit einem wenig Wehmut vielleicht, aber auch mit Stolz, weil du mutig genug warst es auszuhalten. Und weil du stark genug warst es zu überleben.

Und immer dann, wenn ich nicht mehr hinschauen will. Wenn ich mich ausruhe, ein wenig zu lange, dann wird es laut. Dann gibt mir das Leben Bescheid, dass es noch nicht ausreicht. Das ich weiter machen soll. Weil es noch so viel mehr gibt das angeschaut werden möchte. Um mich stärker zu machen. Um mich schöner zu machen.

Also werde still. Wenn alles um dich und in dir laut ist.

Hört auf dich und anderen, besonders deinen Liebsten Vorwürfe zu machen. Hör auf zu streiten, hör auf zu jammern, hör auf zu leiden. Bleib nur bei dir. Werde ruhig. Und wenn es einen, zwei, drei Tage oder sogar eine ganze Woche dauert. Schau was in dir angesehen werden will und lass dich nicht davon ablenken im Aussen.

Es ist das Leben das uns ruft. Hör hin. Seh hin. Sei mutig und spring mitten hinein, wenn du denkst, dass es am wenigsten zu passen scheint.

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